«Vielleicht hat es mit dem Typ Mensch zu tun»

Amiv, der Fachverein der Maschinenbau- und Elektrotechnik-Studierenden, feiert nächste Woche sein 125-jähriges Bestehen. ETH-News sprach aus diesem Anlass mit Amiv-Präsident Aurel Neff über Erfolge und Herausforderungen.

Aurel Neff
«Das Maschinenbaustudium sollte eigentlich anders hiessen. Viele verstehen darunter den Bau von Turbinen und Lokomotiven. Dabei sind mittlerweile Robotik und Mikro- und Nanosyteme genauso wichtig», sagt Aurel Neff, Präsident des Amiv. (Bild: ETH Zürich / Peter Rüegg)

ETH-News: Der Amiv ist nicht nur einer der ältesten Fachvereine an der ETH Zürich, sondern auch der grösste, und er gilt als der aktivste. Was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Aurel Neff: Vielleicht hat es mit dem Typ Mensch zu tun, der Maschinenbau oder Elektrotechnik studiert. In unseren Studiengängen haben wir 3800 Studierende, und mit unseren Events geben wir ihnen die Möglichkeit, andere Studierende kennenzulernen und sich zu vernetzen. Das entspricht offenbar einem Bedürfnis und wird rege genutzt. Studierende zusammenzubringen ist meiner Meinung nach der wichtigste Zweck unseres Vereins. Ein weiterer Aspekt: Es gelingt uns, viele Projekte umzusetzen, von denen unsere Mitglieder profitieren. Dies dank dem Geld, das wir mit unseren Aktivitäten und von Sponsoren einnehmen.

Können Sie uns Beispiele Ihrer Arbeit geben?
Wir haben 13 Kommissionen, darunter solche, die eigenes Bier und eigenen Kaffee herstellen, wir haben einen Bastelshop mit einer gut ausgestatteten Werkstatt, in der jeder 3D drucken oder löten kann. Grossen Anklang finden jeweils auch die Prüfungsvorbereitungskurse, die wir organisieren, und die zweitägige Jobmesse «Kontakt», in der sich 50 Firmen den Studierenden vorstellen. Pro Semester organisieren wir 35 Veranstaltungen. Das sind mehr als zwei pro Woche, und alle sind immer ausgebucht.

125 Jahre ist eine lange Zeit. Was wissen Sie über die Anfänge des Amiv?
In seinen Anfängen war der Fachverein eher so etwas wie eine Studentenverbindung. Die Mitglieder trugen Uniformen, im Vordergrund stand das Gesellige, man trank viel und sang Studentenlieder. Heute ist unser Verein viel offener. Wir bieten auch Studierenden etwas, die mit einer Studentenverbindung nichts anfangen können.

Wie steht es mit dem Mitspracherecht auf Departementsebene, das ihr heute habt?
Dieses gab es auch nicht von Anfang an. Nach einem Vorfall in den 60er-Jahren, bei dem ein Student nach einem Stromschlag gestorben ist, bot die ETH den Fachvereinen das Mitspracherecht bei Sicherheitsbestimmungen an. Nach und nach sind weitere Rechte dazugekommen. Mittlerweile haben wir Einsitz in den Departemeentskonferenzen und dort zusammen mit den Doktoranden einen beträchtlichen Anteil aller Stimmen. Wir können heute bei den Departementsbudgets und den Berufungen von neuen Professoren mitreden.

Eure grössten hochschulpolitischen Errungenschaften in letzter Zeit?
Wir haben bei der Revision der Elektrotechnik-Studienreglemente mitgearbeitet, die bald in Kraft treten werden. Ausserdem setzten wir uns dafür ein, dass sich die Noten der Zwischenprüfungen höchstens positiv auf die Endnote auswirken. Weil nicht in allen Fächern Zwischenprüfungen geschrieben werden, kam es zur unbefriedigenden Situation, dass sich viele Studierende nur auf die geprüften Fächer konzentrierten und andere vernachlässigten. Mit der Änderung haben die Studierenden nun eine grössere Wahlfreiheit.

Fachvereine leben vom Engagement der Studierenden. Fällt es euch einfach, motivierte Leute zu finden?
Je nach Studierendenjahrgang ist das unterschiedlich. Manchmal haben wir Mühe, Vorstandsmitglieder zu gewinnen. Diejenigen, die sich verpflichtet haben, engagieren sich jedoch sehr stark. Besonders wichtig sind für uns die Studienanfänger. Mit 100 von ihnen fahren wir jeweils in ein Wochenende, in dem wir den Verein vorstellen und versuchen, sie in den Amiv zu integrieren.

Und was sind eure grössten Herausforderungen?
Wir haben wegen des Bolognasystems im Materstudiengang relativ viele internationale Studenten, die nicht Deutsch sprechen. Alle Veranstaltungen auf Englisch abhalten möchten wir jedoch nicht. Denn das würde unter Umständen viele deutschsprachige Bachelor-Studienanfänger abschrecken. Diese kennen den Hochschulbetrieb am wenigsten, und wir möchten sie unbedingt erreichen. Wir stehen bezüglich der Sprache also in einem gewissen Dilemma. Bisher haben wir das so gelöst, dass wir neue Kommissionen gegründet haben für einzelne Mastervertiefungsrichtungen, die eigene Events durchführen, in der Regel auf Englisch.

Nächste Woche feiert ihr die ganze Woche lang euer Jubiläum. Welches sind die Höhepunkte?
An der Jubiläumsfeier am Donnerstag wird es eine Podiumsdiskussion geben mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann und ETH-Präsident Lino Guzzella. Schneider-Ammann hat an der ETH Elektrotechnik studiert, Guzzella ist ETH-Maschineningenieur. Weitere Höhepunkte sind eine Ausstellung von Exponaten des Technoramas Winterthur im ETH-Hauptgebäude, mit der wir auch Studieninteressierte ansprechen möchten. Oder gleich am Montagabend, wo wir auf der Polyterrasse einen Ochsen grillieren werden.

Jubiläumsfeier 125 Jahre Amiv

9. bis 14. April 2018

Weitere Informationen und Programm unter 125jahre.amiv.ethz.ch und auf dem DownloadFlyer (PDF, 172 KB)

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