Was Solarlampen im ländlichen Kenia bewirken

Während reiche Länder aufgrund des Klimawandels nach Energieeffizienz streben und in erneuerbare Energie investieren, stehen Haushalte in ärmeren Ländern vor anderen Herausforderungen: Noch immer hat über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Strom. Stellen Solarlampen eine Lösung dar?

Solarlampen in Kenia
Solarlampen – ein attraktiver Ersatz für Kerosinlampen? (Bild: SolarAid Photos)

Wie sich ländliche Gegenden am besten mit Elektrizität versorgen lassen, darüber debattieren Politikerinnen, internationale Geldgeber und Wissenschaftler seit Langem. Lange floss der Grossteil der Gelder in den Ausbau nationaler Stromversorgungsnetze. Doch der Netzausbau bis in arme, abgelegene Gegenden ist teuer, und die Infrastruktur lässt sich kaum unterhalten. Gleichzeitig machen Klimawandel und sinkende Preise für Batterien und Photovoltaikanlagen die Investition in Solarenergie attraktiv (siehe dazu auch diesen Blogbeitrag).

Dezentral erzeugte Energie als Mittel gegen Armut?

Insbesondere kleine solarbetriebene Produkte wie tragbare Solarlampen erhalten zusehends politische Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung. Sie sind günstig in der Anschaffung, einfach zu warten und bringen nicht die Management-Probleme nationaler oder regionaler Versorgungsnetze mit sich. Mit Sonnenenergie betriebene Produkte gelten daher als mögliche Lösung sowohl für Energiearmut als auch für eine nachhaltige Energieversorgung.

So könnten Solarlampen Kerosinlampen ersetzen, die noch immer in geschätzten 500 Millionen Haushalten zum Einsatz kommen. Kerosinlampen tragen zu Klimawandel und Luftverschmutzung in Haushalten bei [1]. Zudem bieten Kerosinlampen nur eine geringe Lichtstärke von etwa 10 Lumen, während eine normale LED-Lampe etwa 500 Lumen leistet. Dennoch schaffen Solarlampen nur einen minimalen Zugang zu Energie: Radios, Fernseher, Kühlschränke und andere Geräte, nach denen Menschen mit höherem Einkommen streben, lassen sich damit nicht betreiben [2].

Kerosin Lampen
Auf der ganzen Welt sind Kerosinlampen in ländlichen Gegenden weit verbreitet. (Bild: Adina Rom / ETH Zürich)

Obwohl sich die Wissenschaftler einig sind, dass der Zugang zu Netzenergie wichtig für Wirtschaftswachstum ist, gibt es kaum empirische Daten darüber, ob und wie sich eine dezentrale Energieversorgung auf Armut auswirkt. Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern eine Feldstudie in Kenia durchgeführt [3]. Das Forschungsprojekt analysierte die Nachfrage, Nutzung und die Auswirkungen kleiner tragbarer Solarlampen. Dazu kombinierten wir Umfragen mit Daten, die wir mit Hilfe von Sensoren des ETH-Spin-offs Bonsai Systems erheben konnten.

Arme Haushalte zahlen viel für Energie

Zu Beginn des Experiments nutzten fast alle der 1400 untersuchten Haushalte kleine Kerosinlampen, in denen eine offene Flamme für Licht sorgt. Fünf bis zehn Prozent der Ausgaben eines Haushalts entfielen auf Energie – hauptsächlich Kerosin. Im Vergleich dazu machen Energiekosten in europäischen Haushalten nur etwa vier Prozent der Gesamtkosten aus, obwohl sie über fünfmal mehr Energie verbrauchen [4]. In Kenia stellten wir bei armen ländlichen Haushalten eine hohe Nachfrage nach Solarlampen fest, die aber stark sehr preissensitiv ist. Zum aktuellen Marktpreis von 9 US Dollar kauften 29 Prozent der Haushalte eine Lampe. Bei einem subventionierten Preis von vier Dollar stieg die Nachfrage auf mehr als das Doppelte an.

Geringer finanzieller Vorteil…

Normalerweise ersetzt eine Solarlampe eine von mehreren Kerosinlampen im Haushalt. Dadurch sparen die Haushalte aufgrund der geringeren Ausgaben für Kerosin etwa zwei Prozent ihrer monatlichen Kosten ein. Wir fanden jedoch kaum Hinweise auf bessere schulische Leistungen der Kinder oder auf längere Arbeitszeiten der Erwachsenen. Betrachtet man nur den direkten wirtschaftlichen Ertrag, erweist sich der Wechsel von Kerosin- zu Solarlampen nicht kosteneffektiv. Das kann sich natürlich ändern, wenn der Kerosinpreis steigt oder Photovoltaikprodukte noch günstiger werden.

… aber positive Effekte für Gesundheit und Klima

Dennoch: Da sich der Kerosinverbrauch halbiert und die Emissionen sinken, sind Solarlampen hinsichtlich Klimawandel und Luftqualität sinnvoll. Durch Luftverschmutzung verursachte Krankheitssymptome wie trockene Augen oder Atemwegsinfektionen traten in Haushalten mit Solarlampen weniger häufig auf. Diese positiven Effekte auf Gesundheit und Umwelt bleiben beim Entscheid für oder gegen eine Solarlampe wahrscheinlich unberücksichtigt, weshalb Haushalte zu wenig in Solarlampen investieren: ein Beispiel von Marktversagen.

Deshalb könnten Organisationen Solarlampen temporär subventionieren, um die Lichtqualität von Haushalten zu verbessern und die durch Kerosinlampen entstehenden Abgase und Gesundheitsprobleme zu reduzieren. Dies ist besonders vor dem Hintergrund sinnvoll, dass in unserem Experiment subventionierte Lampen gleich oft benutzt wurden wie solche, für die Haushalte den Marktpreis bezahlten.

Isabel Günther schrieb diesen Beitrag zusammen mit Adina Rom, Doktorandin in der Development Economics Gruppe.

Weiterführende Informationen

Grimm, M., Munyehirwe, A., Peters, J. & Sievert, M. (2016) A First Step up the Energy Ladder? Low Cost Solar Kits and Household’s Welfare in Rural Rwanda. The World Bank Economic Review.

[1] Lam, N. L., K. R. Smith, A. Gauthier & M. N. Bates (2012) Kerosene: a review of household uses and their hazards in low- and middle-income countries. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B: Critical Reviews. 15(6): 396–432.

[2] Lee, K., Miguel, E. & Wolfram, C. (2016) Appliance Ownership and Aspirations among Electric Grid and Home Solar Households in Rural Kenya. American Economic Review. 106 (5): 89–94.

[3] Rom, A., Günther, I. & K. Harrison (2017) The Economic Impact of Solar Lighting: Results from a randomized field experiment in rural Kenya. Policy Report. ETH NADEL Center for Development and Cooperation. Mehr Informationen zu den Projekten sind auf unserer Webseite verfügbar.

[4] International Energy Agency (2014) Africa Energy Outlook. A Focus on Energy Prospects in Sub-Saharan Africa. Policy Report. OECD/IEA

Isabel Günther

Isabel Günther

Professorin für Entwicklungsökonomie und Leiterin NADEL, ETH Zürich

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21.07.2017
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