Sprachliche Gleichbehandlung

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Verwenden Sie die geschlechtergerechte Sprache stilsicher


Die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter hat sich in der Schweiz weitgehend durchgesetzt. In vielen Medien und in allen öffentlichen Institutionen wird darauf Wert gelegt bewusst und konsequent für Frauen und Männer zu sprechen. An der ETH ist die sprachliche Gleichstellung selbstverständlich. Wir nehmen damit die Verantwortung wahr, gegen innen und aussen zeitgemäss und wegweisend aufzutreten.

Die Bundeskanzlei hat den Leitfaden «Geschlechtergerechte Sprache» vollständig überarbeitet und 2009 neu aufgelegt. Er enthält einerseits die verbindlichen Regeln für das Formulieren amtlicher Texte des Bundes, andererseits will er bei den häufigsten Anwendungen Hilfestellung bieten und geht auch auf besondere Knacknüsse ein. Er kann online als Broschüre bestellt oder direkt als PDF heruntergeladen werden. Hilfreich bei der Suche nach Synonymen ist das Genderwörterbuch. Für die französische Sprache existiert der von der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Waadt 2010 herausgegebene Sprachleitfaden «L’égalité s’écrit. Guide de rédaction épicène».

Die folgenden zwölf Regeln bieten eine kurze Zusammenfassung der Tipps aus dem Leitfaden der Bundeskanzlei und können Ihnen helfen bei der Verwendung der geschlechtergerechten Sprache stilistisch ansprechend und im Ausdruck einfach und klar zu formulieren.

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Regel 1: Verwenden Sie immer beide Formen, wenn Männer und Frauen gemeint sind

Die vollständig ausformulierte Form eignet sich vor allem für fortlaufende und gesprochene Texte.

Beide möglich: «Eine Professorin oder ein Professor wird Ihre Arbeit beurteilen ...»

Gleichwertig: «Alle Schweizer und Schweizerinnen sind vor dem Gesetz gleich.»

Stop! Anstelle der konsequenten Anwendung beider Formen wird oft mit einem Hinweis oder einer Fussnote erwähnt, dass sich der Text sowohl auf Frauen als auch auf Männer bezieht. Diese sogenannte Legaldefinition ist eine Scheinlösung! Testen Sie wie viele Frauen genannt werden auf die folgenden beiden Fragen:

  • Nenne mir die besten Sportler?
  • Nenne mir die besten Sportlerinnen und Sportler ?

Regel 2: Nennen Sie beide Geschlechter sorgfältig und symmetrisch

Bei Personenverzeichnissen, Nennungen oder Aufzählungen werden alle Personen wenn möglich mit vollem Namen, Funktion und Titeln aufgeführt.

Einseitig: «Als Ehrengast war Frau Professor Brühlmann mit Ihrem Gatten eingeladen.»

Aussagekräftiger: «Als Ehrengäste waren Frau Professor Sonja Brühlmann-Senti, Politologin, und Herr Samuel Brühlmann, Psychologe, eingeladen.»

Veraltet: «Beruf des Vaters?»

Sorgfältiger: «Beruf der Mutter und/oder des Vaters?»

Faustregel: Auf Namenslisten soll mindestens ein Element geschlechtsspezifisch sein, zum Beispiel «H. Amacher, Chemie». «Hanni Amacher, Chemie»

Achtung: Bei zahlreichen Vornamen ist nicht klar, ob es sich um die männliche oder weibliche Form handelt (zum Beispiel Andrea, Anuk).

Regel 3: Vereinfachen Sie Paarformen mit dem Plural

Ausformulierte Doppelformen (Vollformen) können umständlich oder schwer lesbar werden.

Schwerfällig: «Erst dann, wenn eine Studentin oder ein Student das Studium als Doktorandin oder Doktorand abgeschlossen hat, kann sie oder er sich als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter bewerben.»

Besser: «Studierende können sich erst nach dem Doktoratsabschluss als Mitarbeiter/innen bewerben.»

Betonen: Passen Sie die Reihenfolge der männlichen oder weiblichen Form sinnvoll dem Kontext an.

Betonung auf dem Männlichen: «Wir sprechen Kindergärtner und Kindergärtnerinnen gleichberechtigt an.»

Regel 4: Verwenden Sie die Kurzform «.../in» nur in kurzen Texten

In der Deutschschweiz am verbreitetsten und vom Bund empfohlen wird die Kurzform mit Schrägstrich wie in «Professor/in». Aufgrund des Schriftbilds werden sie von Vorteil nur in Formularen, Kurzmitteilungen, Protokollen etc. verwendet.

Kurzformen werden nicht ausgesprochen, sondern beim Vortragen eines Textes in die Vollform aufgelöst: «Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden der Gruppe A zugeteilt.»

Regel 5: So verwenden Sie die Kurzform «.../in» grammatikalisch richtig

Nach dem Weglassen der Kurzform nach dem Schrägstrich muss eine grammatikalisch korrekte Formulierung übrigbleiben.

Falsch: «Für behinderte Student/innen steht eine Rampe zur Verfügung.»
Weglassprobe: «Für behinderte Student steht ...»
Korrekt ist hier die Vollform oder besser die neutrale Formulierung: «Für behinderte Studierende steht eine Rampe zur Verfügung.»

Vermeiden Sie Häufungen bei Kurzformen. Anstelle: «ein/e neue/r Assistent/in» müsste es heissen: «ein neuer Assistent/ eine neue Assistentin.»

Regel 6: Verwenden Sie wenn möglich neutrale Formen

Substantivierte Formen wie zum Beispiel «die Jugendlichen» und eine Reihe von Begriffen wie «Personen», «Führungskräfte» etc. sind neutral und darum in der Sprachverwendung einfacher.

Neutral: «Studierende, deren Eltern getrennt leben, wohnen aus finanziellen Gründen oft bei einem Elternteil.»

Statt: «Zürcherinnen und Zürcher» einfach: «die Zürcher Bevölkerung».

Statt: «Jedermann ist eingeladen, am Mittag in der Mensa der ETH zu essen.»

Neutral: «Alle sind zum Mittagessen in die Mensa der ETH eingeladen.»

Achtung: Einige neutrale Formulierungen wirken veraltet, distanziert und ungewohnt, zum Beispiel: «die Bittstellenden», «die Kursleitenden», «die stimmabstinente Bevölkerung».

Besser: «Alle, die nicht stimmen».

Regel 7: Nutzen Sie die direkte Rede

Mit der direkten Anrede oder Infinitivumschreibungen lassen sich Formulierungen oft stark vereinfachen. Die direkte Rede ist auch bei Stellenbeschreibungen, Anforderungsprofilen, Zuständigkeitsbe-
schreibungen sinnvoller.

Indirekt und kompliziert: «Die Benutzerin/der Benutzer der Bibliothek hat zu beachten: ...»

Statt: «Gegenwärtiger Wohnort des Studenten/der Studentin?»

Einfacher: «Welches ist Ihr gegenwärtiger Wohnort?»

Statt: «Wir suchen eine/n erfahrene/n, teamfähige/n und im Bereich der transparenten Wärmedämmmung spezialisierte/n Mitarbeiter/in.»

Lesefreundlicher: «Sie sind teamfähig, bringen Erfahrung und Spezialwissen im Bereich der transparenten Wärmedämmung mit...» Norm: Stellenausschreibungen müssen nach Weisungen des Bundes so formuliert werden, dass sie sich an beide Geschlechter richten.

Regel 8: Formulieren Sie kreativ um

Schwerfällige, einseitige Formulierungen lassen sich oft durch verschiedenste kreative Varianten vereinfachen und ersetzen.

Statt: «Der ETH-Angestellte erhält die Kinderzulagen mit dem Lohn.»

Korrekt: «Die Kinderzulagen werden ETH-Angestellten mit dem Lohn ausbezahlt.»

Statt: «Jeder Student ist froh, das Prüfungsergebnis rasch zu kennen.»

Neutral: «Wer die Prüfung gemacht hat, ist dankbar für eine rasche Antwort.»

Statt: «Behandlungen beim Zahnarzt sind in der Regel nicht versichert.»

Offener: «Zahnärztliche Behandlungen sind in der Regel nicht versichert.»

Statt: «Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars sind berechtigt, die Software zu benützen.»

Direkter: «Die Teilnahme am Seminar berechtigt zur Benützung der Software.»

Mischen Sie! Der Text wird durch kreative Formulierungen und Varianten spannender, leichter lesbar und oft auch präziser.

Tipp: Wenn Sie einen Text zuerst in der männlichen Form erarbeiten und die weibliche Form erst nachträglich ergänzen, wirkt dies meist langweilig, aufgesetzt und schwerfällig.

Regel 9: Setzen Sie bei Dokumenten, die sich an Einzelpersonen richten, die präzise Form ein

Verfügungen, Entscheide, Verträge, Diplome, Zeugnisse, Personenverzeichnisse, Korrespondenz und alle Texte, die sich konkret an eine Person wenden, müssen geschlechtsspezifisch in der richtigen Form angepasst werden.

Statt: «Sehr geehrte/r Frau/Herr Bingesser. Wie mir Ihr Mitarbeiter/Ihre Mitarbeiterin mitgeteilt hat, möchte sie/er ihre/seine Stellenbewerbung zurückziehen.»

Einfach: «Liebe Kollegin Bingesser. Ihr Mitarbeiter Herr Koller hat mir mitgeteilt, dass er seine Stellenbewerbung zurückzieht.»

Einfacher: «Speichern Sie auf dem PC Textdokumente (Standartbriefe, Weisungen, Verfügungen, Formulare) in einer männlichen und in einer weiblichen Form ab.»

Regel 10: Beachten Sie Hintergründe bei historischen Dokumenten und Übersetzungen

Geschichtliche Darstellungen müssen die historische Genauigkeit wiedergeben. Bei Übersetzungen ins Deutsche wird die sprachliche Gleichstellung angestrebt, sie soll aber den Tatsachen entsprechen.

Historisch: «1971 haben die Schweizer Stimmbürger über das Frauenstimm- und wahlrecht entschieden.»

Angepasst: «Les conseillers nationaux romands» wird übersetzt mit «Die Nationalrätinnen und Nationalräte aus der Romandie.»

Achtung: Zitate werden wortgetreu wiedergegeben.

Regel 11: Vermeiden Sie Klischees

Ersetzen Sie veraltete Redewendungen und Stereotype, die Frauen oder Männer diffamieren oder nicht ernst nehmen.

Meiden Sie Fotos, Illustrationen und Karikaturen mit klischeehaften Inhalten und veralteten Rollenbildern.

Ersetzen Sie: Formulierungen wie «das schwache Geschlecht», «das starke Geschlecht», «die holde Weiblichkeit», «das Familienoberhaupt»
ganz einfach durch: «die Frauen» oder «die Männer».

Tipp: Lassen Sie Texte, Vorträge oder Konzepte von einer Kollegin oder einem Kollegen ab und zu auf Stereotype überprüfen.

Regel 12: Denken, sprechen und schreiben Sie ganz selbstverständlich für beide

Berücksichtigen Sie Frauen und Männer bereits bei der Planung und Konzeption von Berichten, Vorlesungen, Ausstellungen und Projekten.

Zitieren Sie Expertinnen und Experten. Berücksichtigen Sie bei der Bildauswahl oder bei Beispielen auch Frauen. Achten Sie bei Arbeits- und Projektgruppen auf Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt.

Vermeiden Sie es, die sprachliche Gleichstellung durch Übertreibung lächerlich zu machen, zu trivialisieren oder zu ignorieren.

«Automechanikerinnen und Automechaniker – wie Sprache die kindliche Wahrnehmung von Berufen prägt», eine Studie der Freien Universität Berlin zur Wirkung von geschlechtergerechter Sprache. Zusammenfassung (deutsch) und komplette Studie (englisch).

 
 
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27.06.2017
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