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Bereit für den olympischen Exploit

4. September 2009
Nach fast dreijähriger Entwicklungsarbeit ist es endlich soweit: Der von der ETH Zürich zusammen mit dem Bobverband und Schweizer Industrieunternehmen entwickelte Rennbob geht in die Hände der Athletinnen und Athleten über. Die Erwartungen sind hoch: "CITIUS" soll den Bobteams an den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver zu Edelmetall verhelfen.

Der Bobsport hat in der Schweiz eine lange Tradition, die Liste der Medaillengewinner des Schweizerischen Bobverbandes (SBSV) an internationalen Wett-kämpfen ist beachtlich. Zurzeit stellt die Schweiz gleich zwei amtierende Weltmeister: Ivo Rüegg im 2er-Bob, Sabina Hafner ist Junioren-Weltmeisterin. Steu-ermann Beat Hefti entschied - ebenfalls im 2er-Bob - die letztjährige Weltcup-Saison für sich. Um ganz vorne mitzufahren, braucht es nicht nur das Talent und die Erfahrung der Athleten, sondern auch einen schnellen Schlitten. Das weiss niemand besser als Christian Reich, ehemaliger Bobfahrer und Projektleiter von "CITIUS": Als Pilot auf eine starke Mannschaft und schnelles Material vertrauen zu können, ist der Grundstein für jede gute Leistung.

Einen solchen schnellen Schlitten von Grund auf zu konstruieren, hatte sich eine Allianz zwischen dem Schweizerischen Bobverband, Forschenden der ETH Zürich und Schweizer Industriefirmen vor drei Jahren zum Ziel gesetzt. "Wir wollten einen Bob bauen, der schneller ist als die Bobs der Konkurrenz, denn Stillstand bedeutet im Bobsport Rückschritt", so Peter J. Schmid, Zentral-präsident SBSV. Das Projekt erhielt den Namen "CITIUS", in Anlehnung an den Leitspruch der Olympischen Spiele "Citius, altius, fortius" (schneller, höher, stär-ker). Heute, nach Tausenden von Entwicklungsstunden und zahlreichen Tests in Wind- und Eiskanälen, konnten die Entwickler und Verbandsvertreter den neuen High-Tech-Schlitten vor den Medien dem Bob-Olympiakader übergeben.

Bremsquellen eliminieren

Rund zwei Dutzend Forschende aus den Departementen für Maschinenbau- und Verfahrenstechnik sowie Materialwissenschaft der ETH Zürich waren an der Entwicklung des Rennbobs beteiligt. Ihre Herausforderung bestand darin, innerhalb der Vorgaben des Internationalen Bobverbandes das Material weiterzuentwickeln und bei Kufen, Aerodynamik, Stabilität und Vibrationen das Optimum herauszuholen. Dazu Prof. Ueli Suter, Programmkoordinator der ETH Zürich: "Bei einem Fahrzeug ohne Motor, das mit 150 km/h eine Eisrinne hinunter saust, alle wichtigen Bremsquellen zu finden, dann zu eliminieren und schliesslich für die Athleten doch noch ein sicheres Gerät herzustellen, ist eine komplexe interdisziplinäre Aufgabe."

Breites Industrie-Know-How gefragt

Die Erkenntnisse aus der Forschung an der ETH Zürich flossen an den Projekt-leiter Christian Reich und von da in die Entwicklungs-, Lehr- und Produktionswerkstätten der spezialisierten Industriefirmen (siehe Kasten). Dazu Dr. Jürg Werner, Leiter Entwicklungsdepartement V-Zug AG: "Die beteiligten Industriepartner haben ihre Leistungen in das Projekt eingebracht, weil sie sich dem Schweizer Bobsport verbunden fühlen. Die Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und der Austausch untereinander führte zu einem willkommenen Wissenstransfer. CITIUS steht für Innovation, die involvierten Industriepartner tun es auch."

Der Countdown läuft

Insgesamt sechs 2er-Bobs und drei 4er-Bobs des Typs "CITIUS" wurden konstruiert und stehen für den Kampf um Hundertstelsekunden bereit. In der zweiten Oktober-Hälfte sind letzte Testfahrten in Cesana/Turin geplant, im November können die Schweizer Pilotinnen und Piloten zum ersten und einzigen Mal mit den neuen Bobschlitten auf der olympischen Bobbahn von Whistler trainieren. Kurz darauf startet die Weltcup-Saison mit dem ersten Rennen in Park City. Die Bobrennen an den Olympischen Winterspielen in Vancouver finden zwischen dem 20. und 27. Februar 2010 statt. Spätestens dann wird man erfahren, ob die grossen Anstrengungen aller Beteiligten am Projekt "CITIUS" erfolgreich waren und die Schweiz als Bobfahrer-Nation ihre Medaillensammlung wird vergrössern können.

Allianz zwischen Sport, Forschung und Industrie

Für die Entwicklung des 4er- und 2er-Bobs für die Olympischen Spiele in Vancouver 2010 hat sich der Schweizerische Bobsleigh-, Schlitten- und Skeleton-Sportverband (SBSV) mit der ETH Zürich und mehreren Industriefirmen zusammengetan. An der Allianz sind folgende Firmen beteiligt: sia Abrasives, Sika AG, Indrohag, Georg Kaufmann Formenbau AG, Quadrant AG, Bucher Schörling, Audi, RUAG Aerospace AG, V-ZUG AG und Franz Marty (marty-engineering).

Hintergrundinformationen zum Projekt "CITIUS" finden Sie unter: http://www.ethlife.ethz.ch/archive_dossiers/dossier_citius_neu/index

 

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