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Flughafenregionen besser integriert

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Globe, Nr. 1/März 2013 (pdf, 5.1 MB)

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Die räumliche Entwicklung von Flughäfen in Stadtregionen verläuft nicht nachhaltig. Das internationale Forschungsprojekt «Better Airport Regions», das von Städtebauern der ETH Zürich und der TU München initiiert wurde, will das verbessern.

Text: Martina Märki, Foto: Flughafen Zürich AG

 

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Dieser Beitrag ist erschienen in Globe 2/2012:
Download (pdf, 5.8 MB)

 

Flughäfen haben auf die Entwicklung der umliegenden Regionen grossen Einfluss. Grund genug für Städtebauer um Kees Christiaanse, Professor am Institut für Städtebau der ETH Zürich, Flughafenregionen genauer unter die Lupe zu nehmen. Seit rund vier Jahren befassen sich Christiaanse und weitere Forscher an der ETH Zürich und anderen Hochschulen mit dem Thema Stadt und Flughafen. So entwickelten sie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 65 «Neue urbane Qualität» Szenarien für die zukünftige Entwicklung der Flughafenregionen Zürich Nord und Glatttal. Nun steht mit dem internationalen Forschungsprojekt «Better Airport Regions» der Flughafen Amsterdam Schiphol im Mittelpunkt.

Von Erfolgsmodellen lernen

«Uns interessieren die Urbanisierungseffekte, die Flughäfen in städtischen Regionen auslösen. Wir wollen untersuchen, wie Flughäfen zu einer nachhaltigeren räumlichen und funktionalen Entwicklung urbaner Regionen beitragen könnten», sagt Christian Salewski, Projektleiter an der ETH Zürich. Die Einbindung des Flughafens Zürich nicht nur in das nationale, sondern auch in das lokale Bahnnetz habe zum Beispiel der Region Zürich enorm viel gebracht. Anders ist die Situation in der Region Amsterdam. «Während Schiphol Airport sehr gut an das nationale Verkehrsnetz angeschossen ist, ist die Integration in das lokale öffentliche Verkehrsnetz dagegen schwach», erläutert Christiaanse. Um den Flughafen herum entwickelt sich ein gesichtsloser Brei aus Gewerbegebäuden, Parkplätzen und Industrieparks. «Aus Sicht von uns Städtebauern ist das weder wünschenswert noch optimal.» Umgekehrt zeigt Schiphol Airport eine Entwicklung, die im Flughafen Zürich gerade erst im Entstehen begriffen ist: Schiphol wurde zu einer eigenständigen «Stadt» mit Einkaufszentren, Hotels und Gewerbeflächen. «Airport City», das Geschäftsmodell von Schiphol Airport, ist wirtschaftlich erfolgreich. Die Quadratmeterpreise in der Airport City sind vergleichbar mit den teuersten Lagen im Zentrum Amsterdams. «Diese Entwicklung ist in gewisser Weise durchaus nachhaltig», erklärt Projektpartner Mark Michaeli, Professor an der TU München, «weil es den Flughafen und die umliegenden Gemeinden wirtschaftlich gegen Schwankungen im Fluggeschäft absichert.»

Die Kehrseite: eine stärkere Belastung der Infrastruktur und dadurch allenfalls Kapazitätsengpässe in der ganzen Region sowie eine verschärfte Standortkonkurrenz. Wenn schon «Airport City», meint er, dann könne man doch gleich Ernst machen mit einer integrierten und dadurch nachhaltigeren, über das eigentliche Flughafengelände hinausgreifenden Planung. «Wenn der Flughafen schon eine eigene Müllverbrennungsanlage hat, warum nutzt man dann die Abwärme beispielsweise nicht für die umliegenden Gewerbeprozesse?» So weit ist es noch nicht. Doch ein Projekt, das gegenwärtig am Flughafen Amsterdam entsteht, weist bereits in die richtige Richtung, wenn auch zunächst nur flughafenintern: Das Glykol, das zum Enteisen der Flugzeuge verwendet wird, soll mit Hilfe von Algen für die Erzeugung von Energie genutzt werden. Diese wird helfen, das Rechenzentrum des Flughafens zu betreiben.

Stakeholder am Tisch

Dass eine bessere planerische und räumlich-funktionale Verknüpfung zwischen dem Flughafen und den umliegenden Regionen nicht ganz einfach ist, das wissen die Städtebauer nur zu gut: «Auch in den Niederlanden ist Raumplanung grösstenteils dezentral organisiert und Sache der Gemeinden, ähnlich wie in der Schweiz», erklärt Christaanse. Das macht die  Planungsprozesse komplex. Dennoch sollen die Forschungsergebnisse den Weg in die Praxis finden.

Dazu arbeiten die Forscher mit Stakeholdern zusammen, so mit Schiphol
Airport in Amsterdam und mit Zürich Airport. Regionale Partner in der Schweiz sind zudem die Stadt Kloten, die Stadt Zürich und der Kanton Zürich. Auch in den Niederlanden sitzen weitere regionale Partner mit den Forschern am gleichen Tisch. Der Nachhaltigkeits-Thinktank The GROUNDS von Schiphol Airport dient als Diskussionsplattform. Hier wird an Workshops das Wissen der Projektteilnehmer und der Stakeholder zusammengeführt und im Rahmen von Konferenzen mit Unterstützung durch die KIC Climate Change Initiative des European Institute of Innovation and Technology einer breiten internationalen Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht. Da kommt einiges zusammen: Zum Beispiel hochspezialisiertes Technikwissen der Forscher von der TU Delft, die sich vor allem mit der nachhaltigen Gestaltung von Energie-, Wasser-, und Verkehrsflüssen befassen. In einem Simulationstool soll dieses Wissen für Planer und Entscheider greifbar werden. An der TU München werden Fallbeispiele aus weiteren europäischen Flughafenregionen ausgewertet. Die ETH-Forscher richten ihre Aufmerksamkeit darauf aufbauend auf die Transformationsmöglichkeiten, die sich mit einer verbesserten Integration des Schiphol Airport in die regionale Planung ergeben. Am Ende soll nicht nur ein Modell für eine nachhaltigere Entwicklung der Flughafenregion Amsterdam vorliegen, sondern auch Werkzeuge und Guidelines, die Planern und Behörden weltweit helfen können, ihre Flughafenregionen besser in das Umfeld zu integrieren.

Better Airport Regions
Das Projekt «Better Airport Regions» ist Teil des niederländischen Forschungsprogramms «Urban Regions in the Delta», das von der NWO, der niederländischen Organisation für die Förderung wissenschaftlicher Forschung, ausgeschrieben wurde. Es wird von der NWOmit 900 000 Euro gefördert. Beteiligt sind Forschergruppen der TU Delft, der Universität Amsterdam, der ETH Zürich und der TU München.

 

Weblinks
Projekt «Better Airport Regions»: www.globe.ethz.ch/airport

 

Weitere Highlights der Ausgabe 2/2012:
Fokus: Gewitter im Rechner: Die Wetterprognosen wurden in den letzten Jahren immer zuverlässiger. Möglich wurde dies durch hochauflösende Prognosewerkzeuge, mit denen das Wettergeschehen präzise nachgebildet werden kann. Mehr
Profil: ETH-Alumnus Max Meyer: Alles eine Schuhnummer grösser: In Singapur entwickelt Bauingenieur Max Meyer Lösungen für Grossprojekte in der ganzen Welt. Mehr

 

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