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Alles eine Schuhnummer grösser

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Globe, Nr. 1/März 2013 (pdf, 5.1 MB)

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Max Meyer wollte immer im Ausland arbeiten. In Singapur hat er seinen Studententraum verwirklicht. Er entwickelt Ingenieurslösungen für Grossprojekte in Asien und auf der ganzen Welt.

Text: Roland Baumann, Fotos: Wai Kay Photography

 

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Dieser Beitrag ist erschienen in Globe 2/2012:
Download (pdf, 5.8 MB)

 

Metrobauten in der thailändischen Hauptstadt Bangkok und im indischen Chennai, eine Hochstrasse, die in der indischen Metropole Bangalore den Flughafen mit der Stadt verbinden wird, ein neuer Unterwassertunnel zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland – das sind nur einige der Grossprojekte, an denen der ETH-Bauingenieur Max Meyer zurzeit arbeitet. Das bekannteste Projekt aber steht in Singapur und wurde 2010 eröffnet: Das Marina Bay Sands hat dem Zentrum ein neues Gesicht gegeben. Der Hotel- und Kasinokomplex ist das architektonische Wahrzeichen der sich rasant entwickelnden Stadt. In Singapur ist Max Meyer seit 27 Jahren zuhause. «Ich wollte immer im Ausland arbeiten», sagt er, und zurückblickend: «Hier in Singapur konnte ich schon als junger Mann viel Verantwortung übernehmen. Brückenbau war immer mein Traum, das hätte ich in der Schweiz nicht in diesem Ausmass machen können.»

Gearbeitet hat Max Meyer seit seinem Studienabschluss 1982 für die Spezialbaufirma VSL. Die Gelegenheit, vom Firmenhauptsitz Bern in die weite Welt zu ziehen, kam nach zwei Jahren, als er für drei Monate in die neu gegründete Niederlassung nach Thailand geschickt wurde. Und dann wurde in Singapur eine Designingenieurstelle frei. Max Meyer griff zu und bald schon wurde ihm das Designteam in Singapur überantwortet. Seit 1988 ist er zuständig für das regionale technische Büro mit inzwischen rund 35 Mitarbeitenden in Singapur und je zehn in Bangkok und Chennai. Beim Marina Bay Sands war Meyer dafür verantwortlich, dass der an ein Schiff erinnernde Sky Park auf den drei 200 Meter hohen Hotelblöcken errichtet werden konnte. Für den Bau der gewaltigen Plattform mit einer Aussichtsterrasse, Restaurants und einem 150 Meter langen Swimming Pool wurde eine Technik eingesetzt, die ursprünglich für den Brückenbau entwickelt worden war.

«Bereits in den 50er Jahren war VSL führend in der so genannten Vorspanntechnik, die bei Betonbauten grössere Stützweiten erlaubt», erklärt Meyer, ganz der begeisterte Ingenieur. «Beton ist schwach im Zug, was kompensiert werden kann, indem man Rohre mit Stahlkabeln einlegt. Diese werden mit hydraulischen Pressen gespannt, wenn der Beton hart ist.»

«Hier in Singapur konnte ich schon als junger Mann viel Verantwortung übernehmen.»
Max Meyer

VSL begann schon früh, diese Technik auch im Hochbau einzusetzen, und verwendet ähnliche Stahlkabel und Pressen zum Heben schwerer Lasten, so auch beim Bau des Marina Bay Sands. Der 340 Meter lange und 4 500 Tonnen schwere Sky Park wurde in Teilen am Boden vorfabriziert. Es wurden dann rund 2 100 Tonnen temporäre Stahlstrukturen aufgebaut, die so konzipiert waren, dass die Teile per Turm-Drehkräne zusammengesetzt werden konnten. «Prinzipiell können auf solchen Stahlstrukturen beliebige Lasten in unbeschränkte Höhen gehoben werden», erläutert Meyer nicht ohne Stolz. «Derartige Projekte sind Herausforderungen, die es in der Schweiz nicht gibt. Hier ist alles eine Schuhnummer grösser», schwärmt der ETH-Ingenieur. Auch bezüglich Bauzeit waren die Vorgaben ganz anders definiert. Zeit war im wahrsten Sinne des Sprichworts Geld: Die Bauherrschaft, ein Kasino aus Las Vegas, will im Gebäude jährlich eine Milliarde Singapur-Dollar (rund 750 Millionen Franken) Gewinn erwirtschaften, da zählte jeder Tag.

«Derartige Projekte sind Herausforderungen, die es in der Schweiz nicht gibt.»
Max Meyer

Auch die Geschäftsmöglichkeiten sind für VSL im asiatischen Raum ungleich grösser als in der Schweiz. «Wir treten als Hauptsubunternehmer auf und übernehmen zum Beispiel im Brückenbau die Verantwortung für den gesamten Überbau», erklärt Meyer. Während Bauunternehmer in Europa die Arbeiten meistens selbst ausführen, konzentrieren sich Hauptunternehmer in Asien oft auf das Projektmanagement. Sie vergeben Aufträge an Subunternehmer, die das eigentliche Bauprojekt auf eigene Rechnung ausführen. «Hier haben wir die Möglichkeit, grössere Pakete zu offerieren. Wir können Werte kreieren und nicht nur Komponenten liefern. Wir entwickeln Methoden und bieten technische Lösungen an», sagt Meyer. Dies erlaubt es den Ingenieuren, von Beginn an ihre Expertise einzubringen. Innovation ist der Schlüssel zum Erfolg. So hat die in der Schweiz gegründete VSL in Singapur eine zweite technische Abteilung neben jener in Bern aufgebaut. Das Know-how aus Singapur ist auch in anderen Weltgegenden gefragt, etwa für Projekte in Afrika oder Amerika. Als Group Technical Officer für VSL definiert Max Meyer seit Januar dieses Jahres die technische Entwicklung für die ganze Gruppe.

«Die Grossprojekte, die VSL umsetzt, sind aber nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern oft auch mit grossen Risiken behaftet», betont Meyer. Entsprechend aufwendig sind die internen Auditingverfahren, in die er involviert ist. Bevor die gewaltigen Geräteinstallationen auf einer Baustelle eingesetzt werden, prüft VSL, ob alle Arbeiten adäquat vorbereitet und die Arbeiter richtig ausgebildet sind. Der Einsatz der Installationen wird dann für sechs Monate bewilligt, worauf ein neues Audit angesetzt wird. Ein solches ist auch notwendig, wenn bestehende Installationen in neuen Projekten eingesetzt werden. Denn aus Nachhaltigkeitsüberlegungen wird wo immer möglich Recycling betrieben.

Seit Jahrzehnten in Singapur zuhause und fast auf der ganzen Welt unterwegs: Wie steht es da um die Beziehungen zur Schweiz? Mit der ETH Zürich ist Meyer immer noch in regem Austausch: «Jedes Jahr kommen ein bis zwei ETH-Studierende zu uns, die nach dem Bachelor Degree ein dreimonatiges Praktikum machen.» Einzelne ETH-Professoren zieht er bei komplexen Projekten für Expertisen bei. Und er hat auch schon in Baukolloquia seiner Alma Mater Vorträge gehalten. Schliesslich bieten die Veranstaltungen der ETH Alumni in Singapur Gelegenheit, Leute zu treffen, die in der Schweiz studiert haben. Mit der Eröffnung des SEC in Singapur (vgl. S. 38) könnten sich die Kontakte zur ETH Zürich nochmals vertiefen: «Verschiedene Forschungsprojekte sind auch für uns von Interesse», meint der erfahrene Baupraktiker. «So ist Automatisierung im Bau auch für uns ein Thema. Und durch Vorspannung kann man im Hochbau die Plattenstärke reduzieren.» Diese Technik ermöglicht nicht nur mehr Stockwerke für eine vorgegebene Bauhöhe und damit höhere Verkaufseinnahmen. Sie bedeutet auch weniger Materialaufwand, das heisst neben geringeren Baukosten eine nachhaltigere Bauweise. Die Möglichkeiten, mit dem Büro in Singapur ausserordentliche Projekte zu verwirklichen, und jeden Tag neue technische Herausforderungen zu meistern, begeistern den Ingenieur Meyer: «Ich bereue es nicht, dass ich nach Singapur gekommen bin», resümiert er das Gespräch.

 

Zur Person

Max Meyer hat 1982 an der ETH Zürich sein Bauingenieurstudium abgeschlossen und trat bei VSL International seine erste Stelle im Projektierungsteam in Bern an. Nach zwei Jahren versetzte ihn die im vorgespannten Beton weltweit führende Spezialbaufirma nach Thailand und anschliessend nach Singapur, wo er bis 1988 das lokale Designteam leitete. Nach einer weltweiten Reorganisation der Firma wurde Meyer beauftragt, in Singapur eine regionale technische Abteilung aufzubauen. Seit Beginn dieses Jahres ist er zudem Group Technical Officer und weltweit verantwortlich für die technischen Belange der VSL. Max Meyer ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Singapur-Chapter der ETH Alumni Vereinigung, das vor zwei Jahren gegründet wurde und rund 50 Mitglieder zählt. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Der 21-jährige Sohn studiert in Manchester Chemical Engineering, die 19-jährige Tochter

 

Weitere Highlights der Ausgabe 2/2012:
Fokus: Gewitter im Rechner Die Wetterprognosen wurden in den letzten Jahren immer zuverlässiger. Möglich wurde dies durch hochauflösende Prognosewerkzeuge, mit denen das Wettergeschehen präzise nachgebildet werden kann.  Mehr
Zoom: Flughafenregionen besser integriert Eine nachhaltige Entwicklung von Flughafenregionen ist das Ziel eines internationalen Forschungsprojekts mit ETH-Architekten. Mehr

 

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